Unmittelbar nachdem man das Haupttor durchschritten hat, trifft man auf eine lange Menschenschlange. Artig reiht man sich ein und steht zwischen Abschrankungensbändern, wie man sie von Flughäfen her kennt und wohl schon zahlreiche Stunden dazwischen verbracht hat. Doch, wofür wird angestanden? Auf was wird gewartet? Ich weiss es nicht, beschliesse aber, mich ebenfalls einzureihen.

Ich befinde mich in Taipei, der Hauptstadt Taiwans. Es ist Abend und ich bin soeben am Raohe Street Night Market angekommen. Die Nachtmärkte sind sicher eines der Highlights der taiwanesischen Hauptstadt. Der Besuch mindestens eines Nachtmarktes war für mich daher ein Muss. Der Raohe Street Night Market ist weniger touristisch als andere in der Stadt. Hier findet man vorwiegend Essensstände, während an den grösseren ebenfalls Kleider, Souvenirs und Vergleichbares angepriesen wird. Das brauche ich nicht. Ich habe Hunger.

Schnell komme ich vorwärts und kann mittlerweile auch das Ende der Schlange sehen. Dort, hinter einigen Tischen, sind Männer und Frauen eifrig damit beschäftigt etwas zuzubereiten. Ich komme näher und sehe, wie in grosser Geschwindigkeit grünes Kraut und eine hackfleischähnliche Masse in einem Stück Teig verschwinden und dieses danach zu einer Kugel geformt wird.

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Was so leicht ausschaut, bedarf wohl sehr viel Übung. An ihrer Flinkheit gemessen, sind die meisten Mitarbeiter wohl schon Jahre damit beschäftig Abend für Abend diese Knollen zu formen. So bleibt offensichtlich auch genügend Zeit zum Quatschen und Lachen.

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Einmal geformt verschwinden die Teigkugeln für einige Minuten in einem Loch. Es handelt sich dabei um einen mit Holzkohle befeuerten Ofen – sehr ähnlich einem Tandoori-Ofen. Die Öffnung des Ofens geht senkrecht nach unten. Die Teigkugeln werden einzeln an die Wände gepresst. Dank dem feuchten Teig haften die Kugeln und fallen nicht herunter.

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Es handelt sich bei diesen Teigkugeln um 胡椒餅, was als ‚Hu Jiao Bing‘ ausgesprochen wird und übersetzt soviel wie ‚Pfefferbrötchen‘ bedeutet. Die Brötchen sind grosszügig mit Hackfleisch, schwarzem Pfeffer und Frühlingszwiebeln gefüllt.

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Fertig gebacken kommen die Kugeln aus dem Ofen und werden unmittelbar  zu einem Preis von circa 50 Rappen das Stück verkauft. Ich schnappe mir gleich zwei und bereue diese Entscheidung keineswegs. Die jetzt goldigen Knollen sind wirklich lecker. Aussen sind sie knusprig, innen jedoch schön saftig. Das pfeffrige Fleisch mit den frischen Kräutern schmeckt lecker. So sind diese Pfefferbrötchen ein grossartiger Streetfood Snack, den ich nur empfehlen kann.

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Der Nachtmarkt ist auch sonst sehenswert. Die Stände offerierten zahlreiche bekannte und weniger bekannte Köstlichkeiten, inklusive dem berühmten Stinky Tofu und verschiedenen Dumplings. Ein paar Eindrücke findet ihr in der angefügten Bildergalerie.

Der Raohe Street Night Market ist einfach zu finden. Man fährt mit der Metro Line 3 (Grün) gen Osten bis zur Haltestelle Songshan und verlässt die Station über Ausgang 5. Der Eingang zum Markt befindet sich dann rechterhand, auf der gegenüberliegenden Strassenseite gleich neben dem Tempel.  Zwischen 18:00 und 22:00 ist am meisten los. Falls möglich sollte man das Wochenende meiden, da dann der Markt recht voll sein kann.